BESCHREIBUNG DES KOMPLEXES

Das Anwesen "VILLA GARBINATI" oder "ZANOTTI FRAGONARA RIGO", wie es jetzt genannt wird, befindet sich in Lupiola di Sandrigo, bei Vicenza.
Das Anwesen gliedert sich in mehrere Gebäude.
Das Hauptgebäude bildet die Villa selbst. Die Räumlichkeiten verteilen sich auf drei Etagen, die Hauptfassade ist nach Westen gerichtet.
An das beschriebene Gebäude schließt sich nach Osten die Torre Colombara an, die bis zum dritten Geschoss gleichzeitig auch als Treppenhaus für die Villa fungiert. Im Anschluß an die Torre Colombara befindet sich nach Süden hin das zweigeschossige in nord- süd Richtung angerichtete Hauptwirt- schaftsgebäude mit einem in seiner Höhe der des Hauses entsprechenden Portikus, der nach Westwn zum Innenhof hin liegt.
Von der Villa ausgehend im Norden steht ein im Bezug auf die anderen Gebäude leicht gedrehter neogotischer Bau mit zwei Etagen und quadratischem Grundriss. An Nord-West-Seite dieses Gebäudes anschließend liegt ein langes einstöckiges Gewächshaus, das sich an die das Gebäude umgehende Mauer anlehnt. In Verlängerung dieses Gebäudes befindet sich ein niedriger Säulengang mit Kapitellen aus neogotischer Zeit, der sich bis zur Grenzmauer auf der Seite der Landstraße Richtung Westen hin erstreckt. Auf der Nord-Ost-Seite der Villa befindet sich ein langes zweistöckiges in Nord-Süd-Richtung ausgerichtetes Gebäude ähnlich dem bereit beschriebenen Wirtschaftsgebäude.

Der gesamte oben beschriebene Komplex ist nach Norden,Westen und Süden hin umgeben von einer den Innhof einschließenden Mauer. Nach Osten hin wird das Gebäude durch die Mauern der beschriebenen Gebäude abgeschlossen.

Außerhalb der Einfriedungsmauer liegend aber noch zum Anwesen gehörend befindet sich ein Park, der sich nach Norden bis zu "via Santa Cristina" und nach Süden hin bis zu einem Wasserlauf, "rio Dindarello", erstreckt.

EIGENTÜMERERFOLGE


Um 1660 und in den Jahren davor:
Familie GARBINATI

Anfang des 17. Jh.:
Geronimo GARBINATI

Mitte des 17. Jh.:
Antonio GARBINATI

von Mitte des 17. Jh. bis zum 18.Jh.:
Familie GARBINATI

Mitte des 18.Jh.:
Francesco GARBINATI

Zweite Hälfte des 18.Jh.:
Giovanni GARBINATI

Seit Ende des 18. Jh. bis 1805 :
Erben des verstorbenen Giovanni GARBINATI (Cecilia, Maddalena e Francesca GARBINATI)

Seit 1809 bis 1813:
Capitano Ignazio DI FRANCESCO;
Maddalena GARBINATI LAGHI;
Francesca GARBINATI TECCHIO.

Seit 1829 bis 1850:
Francesco TECCHIO Sohn des verstorbenen Sebastiano.

Seit 1850 bis 1920 (zirka):
Famiglia TECCHIO.

Seit 1920 (zirka) bis 1936:
Familie MORGANTE

Seit 1936 bis 1989:
Familie GIARETTA

Seit 1989:
Familie ZANOTTI FRAGONARA RIGO








GESCHICHTLICHE BEZÜGE


Die uns durch bibliografische und archivalische Quellen zur Verfügung stehenden Informationen sowie die sachkundige Begutachtung der heute bestehenden Anordnung lassen einen mit hoher Sicherheit den folgenden Phasen entsprechenden Enstehunhgsverlauf annehmen.


1. PHASE: (der im 15. Jh. Entstehende Kern und Vorstehendes)

Es ist schwierig genaue Angaben über die ursprüngliche Anordnung des Kernes zu machen. Sicher ist, daß die "torre colombara" als wichtiges Element einen Teil davon bildete.
Die dann durchgeführten Veränderungen haben die ursprüngliche Struktur weitgehend durch Neues ersätzt, sodaß sie heute nur noch insofern von Bedeutung ist als daß sie die Basis der im Folgenden durchlaufenden Evolution des Ensambles bildet.
Ausgehend von den Ergebnissen der angestellten Nachforschungen sowie den Informationen, die uns durch Katasterauszüge und alte Karten zur Verfügung stehen ist anzunehmen, daß der vorher bestehende Komplex neben der "torre colombara" noch aus einem zentralen Gebäude bestand, auf dessen Basis dann im16.Jh. die Villa entstand.
Die im Bezug auf die anderen Gebäude etwas abseitige Lage der "torre" läßt in Analogie zu anderen Beispielen seine Verwendung im späten Mittelalter als Aussichtspunkt annehmen,auch wenn dies nach heutigem Wissenstand schwer belegbar wäre.


2. PHASE: (der Kern im 15.- 16. Jh.)

Man nimmt an, daß der Komplex während dieses Zeitraumes landwirtschaftlichen Zwecken diente und daß aus diesem Grund zwei weitere scheunenähnliche langgezogene Gebäude auf der Nord-und Südseite des Turmes und des neogotischen Baus errichtet wurden, der schon zu jener Zeit quer und hinsichtlich des übrigen Kernes leicht verschoben bestand.
Stützen tun sich diese Beschreibungen auf aus Gründungsschriften und-zeichnungen gewonnenen Erkenntnissen.
Der Komplex bildete zu jener Zeit hinsichtlich seines Verwendungszweckes eine Einheit: vermutlich befand sich im im Süden gelegener Gebäude eine Wohneinheit, wo sie auch für die darauf folgende Zeit angenommen wird. Im im Norden gelegener Gebäude hingegen waren die rein landwirtschaftlichen Nutzzwecken zuzuordnenden Räumlichkeiten wie Getreidespeicher, Lagerräume und Stellplätze für landwirtschftliche Geräte.

3. PHASE: (der Kern im 16. Jh.)

In dieser Phase bildet sich die fast endgültige Anordnung der Gebäude heraus.1672 ensteht das Herrschaftshaus der Familie Garbinati, in einer Zeit, in der die landwirtschaftliche Nutzung der Anlage noch verstärkt wird.
Dieser Neubau vergrößerte die Zentrale Einheit des Komplexes in der Nähe des Turms, der im Folgenden das Treppenhaus der Villa enhalten wird. Die Wirtschaftsgebäude bleiben im Großen und Ganzen unverändert.


4. PHASE: (der Kern am Anfang des 18. Jh.)

Die Veränderungen, die im Laufe des 18. Jh. vorgenommen wurden, schaffen vornehmlich die Wirtschaftsgebäude eine Tatsache, die sich auch in entsprechenden Katastereinlagen bestätigt findet.

Zu den vorgenommenen Modifikationen werden gezählt:

- der Bau des Gewächshauses und der neuen Einfriedungsmauer im Norden;
- die Verlängerung des nach Norden liegenden Scheune, die somit fortan die Nord- Ost-Seite des Komplexex bildet;
- die Widerherstellung der Außenaussicht der Scheune durch Schließung einiger Fenster im Erdgeschoß und Eröffnug anderer, in deren Rahmung ein für Vicenza typischer Stein Verwendung fand;
- der Abbruch der nach Süden hin liegenden Scheune und der Neubau des um einiges größeren Wirtschaftsgebäudes, wie wir es heute verfinden. In dem Gebäude befanden sich Wohnräume, eine Seidenwurmzucht sowie eine Säulen-(dorische) halle.

Dies ist der am organischsten, am harmonischsten erscheinende Teil des gesamten Anwesens.


5. PHASE: (Eingriffe im Laufe des 20. Jh.)

In der ersten Hälfte des 20. Jh. sind einige in die Grundkonzeption des Komplexes eingreifende Umbaumaßnahmen durchgeführt worden, die jedoch der ursprünglichen Idee zu liebe zurückgenommen wurden.



6. PHASE: (seit 1990)

In dieser letzten Phase ausgehend vom Jahre 1990 wurden diese rekonstruirenden Arbeiten durchgeführt. Außerdem wurden alle Dächer renoviert und dem südlichen Wirtschaftsgebäude seine ursprüngliche Schönheit zurückgegeben.



BEZÜGE ZUR KUNST



DIE VILLA.

Die Hauptfassade der Villa trägt ein für die vicentinische Architektur der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts typisches Gesicht.

Das die Ostansicht prägende Element ist eine dreieckige Giebelplatte, die das Wappen der Familie sowie eine Inschrift ("REI RUSTICAE INCREMENTO ET AGRICOLARUM COMMODO ANTONIUS GARBINATUS HIERONYMI FILIUS EXCITAVIT MDCLXXII"). Betont wird die Fassade durcheine Reihe von ionischen Lisenen, deren Säulen durch eine Ballustrade miteinender verbunden sind und die oberhalb des bossirenden Bandes die ganze Höhe des Erdgeschosses einnimmt.
Im übrigen ist die Fassade symmetrisch aufgebaut und wird durch einige dekorative Elemente schlichter Eleganz, durch Maskaronen, Bögen und schöne die Fenster umgebende Rahmungen vervollständigt.

Auf der nach Süden hin liegenden Aussenseite des Gebäudes befindet sich auf Höhe der ersten Etage eine mit Fresken bemalte Sonnenuhr.

Die verbleibenden Hausansichten werden bestimmt durch einige Fenster, die wie die bereits beschriebenen von sehr schönen Rahmen eingefasst werden. Vor den Fenstern sind Vergitterungen aus dem frühen19. Jh. angebracht, die zu ihrer Zeit die dort vorher angebrachten zu ersetzen hatten.

Im inneren der Villa, in der großen Eingangshalle befinden sich vier genau symmetrisch angeordnete Türen, die Einlass zu den seitlich liegenden Zimmern gewähren.
Die dem Eingang gegenüberliegende Wand öffnet sich in einer zweibögigen Dyade mit einer Pfeile in der Mitte. Oberhalb der Bögen befinden sich zwei Maskarons. Durch die beiden Bögen gelangt man zu der Treppe, die im Inneren der antiken "torre colombara" untergebracht ist.
Aufwendig gearbeitet sind auch die Kamine von denen der, der sich in dem nach Nord-Westen liegenden Zimmer befindet der wertvollste und schönste ist. Er stammt aus dem 16. Jh. und ist aus rotem Marmor "veronese" gemacht.

Alle anderen oben beschriebenen Einzelheiten sowie die Friese sind aus einem für Vicenza typischen Stein gearbeitet.


DAS NEOGOTISCHE GEBÄUDE UND DAS TREIBHAUS

Wir haben schon Gelegenheit gehabt auf die anzunehmende Entwicklung des beschriebenen Anwesens näher einzugehen, dessen besondere Bedeutung in der Kombination von wertvollen originall-gotischen Elementen aus rotem Marmor "veronese" und Elementen des frühen 19. Jh. aus einem für Vicenza typischen Stein liegt.

Die Hauptansicht (im Süden) wird dominiert von einem beachtenswerten Triforum mit doppelzähnigem Rahmen und Zwickel an dessen Bogenspitzen sich gekrümmte Dreilapppen befinden, die ihrseits Teil des weiten nach vier Zentren, die durch die von Nägeln durchbohrten Patère flankiert werden, hin gekrümmten Bogenrückens sind.

Das Triforum ist so angeordnet, daß es sich in einem rechten Winkel zu spiegeln scheint. Den die vier Zentren flankierenden Patère entsprechen im ersten Stock die in vier Felder unterteilten Fenster mit Rahmen in Karomuster.
Außerdem beachtenswert ist die Gebäudeansicht von Westen, die geprägt wird durch drei einzelne von einem doppelzähnigen Rahmen umgebene Monoforen, deren gekrümmte mehrlappige Bögen durch, von ebenfalls von Nadelndurchbohrte Patère flankierten, Zwickeln überragt werden. Darüber befinden sich die gleichen vierfeldrigen Fenster wie auf der Südseite.

Ein elegantes, aus einer Reihe dreilappiger gekrümmter Bögen gebildetes Rahmenfries beschliesst die Süd- und Westfassade zu den Seiten hin.

Fenster- und Türfluchten der Nord- und Südfassade werden von einfachen Elementen aus einem für die Stadt Vicenza typischen Stein eingerahmt. Die Fenster sind mit aus den ersten Jahren des 19.Jh. stammenden Vergitterungen versehen, ebenso wie die der oben beschriebenen Villa.

Das Gewachshaus, dessen Gesicht nach Süden hin gerichtet ist, ist mit acht Öffnungen mit Oberlicht versehen. Auf der Westseite in Richtung der Einfriedungsmauer entlang der Haptstrasse findet man einige eine elegante Reihe bildende original gotischer Kapitelle, die einen niedrigen Säulengang überragen und sich bis zu einem schönen schmiedeeisernen Tor in der Einfriedungsmauer fortsetzen.


DAS BAUERNHAUS IM NORDEN.

Die Fenster im 1. Stock werden durch einfache, schlichte Elemente aus vicentinischem Stein eingefasst und sind mit Vergitterungen versehen, die ein Rombusmuster bilden und aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts stammen.
Elegant ist die nördliche Fassade aus dem 19. Jh., bei deren Bau Motive aus dem 18. Jh. aufgenommen wurden.

Sie besitzt zwei rechteckige, zwischen zwei ovalen angeordnete Fenster. Alle vier Fenster sind vergittert.

Die ursprünglichen Fensterhöhlen im Erdgeschoss sind ausschliesslich aus Backstein und einem leicht gekrümmten Archtraven aufgebaut.


DAS WIRTCHAFTSGEBÄUDE IM SÜDEN.

Das aktuelle Gebäude ist zwischen 1813 und 1829 errichtet worden und damit an die Stelle eines in seinen Dimensionen dem soeben beschriebenen Bauerhauses gleichenden Baus getreten.

Ein sehr eleganter aus fünf dorischen Säulen bestehender Gang stützt ein bemerkenswert schönes neoklassisches Gebälk aus vicentinischem Stein.
Alle Tür- und Fensterhöhlungen werden von einfachen schlichten steinernen Elementen eingefasst. Die Fenster sind mit Vergitterungen versehen, die ein Rombusmuster bilden, so wie die des nördlichen bereits beschriebenen Bauernhauses.
Das Erdgeschoss ist in eine Vielzahl Räumen unterteilt. Im ersten Stock befindet sich lediglich ein großer Raum, der zu seiner Zeit der Seidenraupenzucht diente.


DIE EINFRIEDUNGSMAUER.

Bestehend aus abwechselnd angeordneten Schichten aus Ziegeln bzw. Flusskieselsteinen erinnert sie in Anlage und Aufbau an die Nordansicht des Komplexes. Ein dreieckiges Gesims aus Stein überragt die Mauer im Westen, in Richtung der Hauptstrasse. Elegante schmiedeeiserne Tore sowohl für Fußgänger als auch getrennt davon für Fahrzeuge ermöglichen den Zugang zum Gelände der Villa.



BIBLIOGRAPHIE UND QUELLEN

- Renato CEVESE - "Ville della provincia di Vicenza" - Vicenza, 1971; 1980 angegebene bibliographische Quellen.
- ARCHIVIO DI STATO di Vicenza.
- BIBLIOTECA CIVICA BERTOLIANA di Vicenza.



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